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Girne
Kyrenia
bzw. Girne ist wohl Zyperns charmanteste Stadt; dort befindet sich
auch das Touristenzentrum. Das malerische Städtchen liegt in einer
romantischen Hafenbucht an der Nordküste, überragt von einer
gewaltigen mittelalterlichen Festung. Die traumhaft schöne Kulisse –
strahlend weiße Häuser mit kleinen Balkonen vor den blauen
Gebirgszügen des Beschparmak-(fünf Finger)-Gebirges – macht Girne zum
„Juwel des Mittelmeeres“. Zahlreiche Restaurants an der
Strandpromenade bieten einheimische Spezialitäten und eine große
Auswahl von Meeresfrüchten an. Cafés, Diskos, Bars und Spielsalons
sorgen für „weltliche“ Abwechslung. Biblisch dagegen mutet die
Landschaft in der Nähe von Kyrenia an. Die drei Burgen Zyperns St.
Hilarion, Buffavento und Kantara krönen steile und malerische Felsen
in der Gebirgskette von Kyrenia.
Zitadelle von Girne
Der mächtige Bau der Zitadelle gehört zu den ältesten und
besterhaltenen Festungsanlagen auf Zypern. Archäologen vermuten,
dass hier schon die Stadtkönige Kyrenias ca. 500 v. Chr. eine
Akropolis angelegt haben. Im siebten Jahrhundert entstand eine erste
rechteckige Burganlage, als sich Zypern zu einer bedeutenden
Militärbasis zur Sicherung der östlichen Provinzen des
Byzantinischen Reiches entwickelte. Die heutige Burg wurde von den
Byzantinern im 9. Jahrhundert zur Abwehr der Araber gegründet, im
13. Jahrhundert von den Lusignans ausgebaut und unter der Herrschaft
der Venezianer (1498-1571) erneut vergrößert. Sie wurde sechsmal
belagert, aber erobert wurde sie nie.
Abtei Bellapais (Besparmak-Gebirge)
Die
prachtvolle Anlage entstand zwischen 1230 und 1340 ca. sechs
Kilometer östlich von Girne, am Rande einer 17 Meter hohen Klippe.
Um den zentralen Kreuzgarten gruppieren sich Kreuzgang, Kirche und
Kapitelsaal, Mönchssaal und Refektorium (Speisesaal). Die Erbauer
der Abtei waren Prämonstratenser-Mönche, die von den Lusignans nach
Zypern gerufen wurden. Bellapais hieß ursprünglich Abbaye de la Paix,
also Abtei des Friedens, und dann Abbeé Blanche, weil die Mitglieder
des Ordens weißen Habit trugen. Sie wurde im späten 16. Jahrhundert
aufgegeben. Mit ihren herrlichen gotischen Kreuzgängen wird die
Abtei als das bedeutendste und schönstgelegene gotische Bauwerk der
ganzen Levante angesehen. Im Refektorium, an der Nordseite der
Abtei, finden bis heute Konzerte und Theateraufführungen statt. Die
Anlage ist umgeben von einem wunderschönen Garten, der zum inselweit
bekannten „Kybele Restaurant“ im Innenhof gehört. Gekocht wird heute
fast an derselben Stelle gekocht wie zu Zeiten der Venezianer.
Abends kehrt wieder Ruhe in Bellapais ein. Grund genug für den
englischen Schriftsteller Lawrance Durrell diesen Ort in den 50er
Jahren zu seinem Domizil zu erklären.
Salamis und die Königsgräber (Nähe Gazimagosa)
In
einer Landschaft aus Dünen und Pinienhainen liegen die Ruinen des
antiken Salamis, einst größte und reichste Stadt Zyperns und
führende Metropole in der Levante und ein Muss für
Nordzypern-Besucher. Die Stadt nahm auf dem Höhepunkt ihrer Macht
mit über 100.000 Einwohnern eine Fläche von über acht qkm ein. Nur
ein Bruchteil davon, überwiegend aus spätrömischer und
byzantinischer Zeit, ist freigelegt und vermittelt einen Eindruck
von der Pracht und kulturellen Bedeutung dieser antiken Großstadt:
das Theater für 15.000 Zuschauer, das Thermen-Gymnasium mit seinen
prachtvollen Marmorsäulen, die Grundmauern und Fassadenreste zweier
frühchristlicher Basiliken oder die berühmten Toilettenanlagen,
Thermen und Wasserspeicher. Einer der legendären Helden des
Trojanischen Krieges, Teukros, soll Salamis 1184 v. Chr. gegründet
haben. Fast 2000 Jahre später, nach einer Serie von Erdbeben,
Überschwemmungen und der Versandung des Hafens bereiteten arabische
Truppen der Stadt ein Ende. An der Straße, die vom
Ausgrabungsgelände zum St. Barnabas-Kloster führt, liegt die riesige
Nekropole (Totenstadt) von Salamis mit den „Königsgräbern“. Trotz
vieler Grabschändungen kamen dort 1957 erstaunliche Funde ans Licht,
so das Grab eines Fürsten (daher „Königsgräber“) mit kostbaren
Beigaben und Pferdeopfern. Man fand den berühmten Thronsessel aus
Elfenbein und Silber und den nicht minder Aufsehen erregenden
Brustpanzer eines Pferdes mit assyrischen Ornamenten. Zudem brachte
die mehrjährige intensive Forschungsarbeit wichtige Erkenntnisse
über hier praktizierte Totenkulte und Bestattungsbräuche.
Die Burg St. Hilarion (Nähe Kyrenia)
Selbst Hollywood hätte diese mustergültige Festungsanlage (einen
Kilometer südwestlich von Girne) nicht besser bauen können. In
Unter-, Mittel- und Oberburg gegliedert, konnte jeder Abschnitt für
sich verteidigt werden. 80 Gebäude aus zehn Jahrhunderten und drei
Kulturen boten mehr als 400 Menschen Platz. St. Hilarion, das sich
in ca. 700 Meter Höhe auf einem Felsen erhebt, ist die schönste der
drei mittelalterlichen Burgen in den Beschparmak-/Fünffinger-Bergen.
Die Burg wurde nach einem im 8. Jahrhundert dort lebenden Heiligen,
dem syrischen Einsiedler Hilarion dem Großen, benannt. Die
Byzantiner bauten ihm zu Ehren im 10. Jahrhundert eine Kapelle, die
allmählich zum Kloster und später zur Burg erweitert wurde. Diese
diente zusammen mit Buffavento und Kantara als „Frühwarnsystem“
gegen arabische Invasionen.
Kantara (Eingang zum Karpaz-Gebirge)
Anders als das vielfach verästelte St. Hilarion ist Kantara wie aus
einem Guss. Obwohl überschaubar und kompakt gebaut, scheint die Burg
wie losgelöst von ihrem Felsfundament in der Luft zu schweben.
Vielen Besuchern erscheint sie als Höhepunkt unter den Bergfestungen
Zyperns, ein „alpines Erlebnis“ zwischen den Meeren. Der Name ist
dem Arabischen entlehnt und bedeutet „hohes Gebäude“. Der einstige
Beobachtungsposten der Byzantiner wurde im 12. Jahrhundert zu einer
Burganlage ausgebaut. Als Richard Löwenherz im Mai 1191 die Insel
einnahm, ergab sich der selbsternannte Kaiser von Zypern auf
Kantara. Richard Löwenherz nahm dessen Tochter zur Erziehung unter
seine Fittiche und ließ sie ein Jahr später nach Europa bringen.
Dort sorgte sie als „La Damsel de Chypre“ an den Fürstenhöfen für
Furore.
St.
Barnabas/Agios Mammas
Hier überlagern sich Historie und Volkslegende. Der Legende nach
wurde dieses ehemalig griechisch-orthodoxe Kloster nach dem Eremiten
Mammas benannt, weil sich dieser auf ungewöhnliche Weise der
Steuerpflicht entzogen habe und seitdem als Schutzheiliger der
Steuerhinterzieher verehrt wird. Die Geschichte berichtet von einem
Hl. Barnabas, der im 5. Jahrhundert auf einer Missionsreise von den
Bewohnern von Salamis erschlagen wurde. Der Heilige erschien dem
Bischof Anthemios im Traum und verriet ihm die exakte Lage seines
Grabes. In diesem Grab fand Anthemios eine Abschrift des
Matthäus-Evangeliums, was den Kaiser in Konstantinopel so sehr
beeindruckte, dass er der zyprischen Kirche die Unabhängigkeit
zusicherte. Heute enthält die Klosterkirche ein Ikonenmuseum
Apostulos
Andreas (Karpaz)
Kloster Apostulos Andreas ist bis heute ein Wallfahrtsort für
Christen und Mohammedaner und gilt als das Lourdes Zyperns.
Hintergrund ist die folgende Legende. Der Hl. Andreas befand sich
auf der Schiffsreise nach Jerusalem zur jährlichen Synode anlässlich
des Osterfestes, als die Trinkwasservorräte ausgingen. Er wies den
einäugigen Kapitän an, die nahe zyprische Küste anzulaufen. Doch so
sehr sie auch suchten, sie fanden auf dem felsigen Stück Land kein
Trinkwasser. Schon wollten sie verzweifeln, als Andreas mit seinem
Stab gegen einen Felsen schlug und eine Quelle zu fließen begann.
Die Mannschaft trank und wusch sich in der Quelle. Als sie Palästina
erreichten, hatte der Kapitän auf seinem zweiten Auge die Sehkraft
wiedergewonnen.
Othello-Turm (Gazimagusa/Famagusta)
Betrat man einst vom Hafen aus die ummauerte Stadt Famagusta (Gazimagusta),
lag rechter Hand die Zitadelle, eine aus der Zeit der Lusignans
stammende Hafenbefestigung, die die Venezianer artilleriegerecht
umgebaut hatten. Später sprach man von der Zitadelle als dem
„Othello-Turm“. Dramatische Ereignisse um Desdemona und ihren
eifersüchtigen Ehemann sind in William Shakespeares Tragödie
„Othello“ verewigt.
Soli (Güzelyurt/Lefke)
Die Stadt taucht bereits auf alten assyrischen Tributlisten aus dem
7. Jahrhundert v. Chr. auf. Der heutige Name leitet sich von dem
griechischen Philosophen Solon ab. Er empfahl, eine weiter
landeinwärts gelegene griechische Siedlung die Verlegung an die
heutige Stelle. Hafen und Kupferförderung gaben der Stadt mehrere
Jahrhunderte hindurch eine herausragende Stellung. Als der
Kupferabbau im 4. Jahrhundert zurückging, verlor die Stadt an
Bedeutung. 1929 legten schwedische Archäologen das
hellenistisch-römische Theater aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. frei
und restaurierten es umfassend. Im Halbrund seiner Sitzreihen bietet
es etwa 4000 Zuschauern Platz. 1966 bis 1967 stießen kanadische
Archäologen auf eine frühchristliche Basilika aus dem 4. Jahrhundert
mit schönen Mosaikböden.
Büyük
Han – die große Herberge (Lefkosa/Nicosia)
Den Auftrag für den Bau der großen Stadtherberge gab Musaffer Pasa,
der erste Gouverneur Zyperns nach der Eroberung 1570/71. Dieser
große Han ist ein eindrucksvolles Beispiel osmanischer Architektur
auf Zypern und zählt zu den schönsten osmanischen Bauten des 16.
Jahrhunderts. Um den großen Innenhof, in dessen Mitte eine kleine
Moschee mit Reinigungsbrunnen steht, gruppieren sich in zwei
Stockwerken 68 Räume mit davor angelegten Säulengängen.
Die unteren Räume waren normalerweise
Lagerräume und Ställe, in den oberen Räumen, die alle mit Kamin
ausgestattet waren, wurde übernachtet und gehandelt. Die Tore zum
Büyük Han wurden nachts geschlossen und am Morgen nicht eher
geöffnet, bis das Gepäck der Besucher auf Vollständigkeit
kontrolliert war. So wurden Diebstähle wirkungsvoll verhindert. Der
Einstieg von außen war praktisch unmöglich, weil die Außenfassade
aus glatten, von Hand beschlagenen Steinen bestand. Seit kurzem wird
das Büyük Han als Künstlerzentrum genutzt. In allen 68 Räumen
befinden sich nun Werke und Objekte nordzyprischer Künstler. Die
frühere Herberge wurde nach fünf Jahren Restaurierungsarbeit 2001
wieder eröffnet. Das Künstlerzentrum ist werktags und an Wochenenden
für Besucher geöffnet.
Text-und Fotoquelle: Fremdenverkehrsamt
Nordzypern, überarbeitet von Peter Kaiser
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